Anfrage an den MARS-Konzern über die Herkunft der Rohstoffe

Antrag der Partei Die Linke im Stadtrat Verden:

 

Anfrage der Stadt Verden an den Mars-Konzern nach der Herkunft der Rohstoffe für seine Schokolade

 

Die Stadt Verden soll beim Mars-Konzern folgende Anfrage stellen:

 

In der Reportage „Schmutzige Schokolade“ von Miki Mistrati von 2011 wird beschrieben wie in der Elfenbeinküste Kinder in der Kakaoproduktion systematisch unter sklavenähnlichen Verhältnissen eingesetzt werden. Ein Großteil der weltweiten Produktion wird dort erzeugt. Explizit wurde der Mars-Konzern dort als Käufer der Kakaoproduktion benannt.

Von der Schokoladenindustrie wurde Besserung gelobt, die aber laut einer  Reportage in der ARD „Schmutzige Schokolade II“ vom 17.12.2012 nicht zu einem Erfolg führte. Die Hilfen der Stiftung der Schokoladenindustrie ICI scheinen laut der Reportage eher dem Image der Schokoladenindustrie als den Kindern zu helfen.

Zu der menschenrechtswidrigen Produktion in der Elfenbeinküste gibt es Alternativen für die Kakaoproduktion etwa in Ecuador, Ghana oder Venezuela, wo Kakao in Kooperativen erzeugt wird.

 

Bezieht der Mars-Konzern Kakao aus der Elfenbeinküste?

Zu welchem Anteil deckt Mars seinen Bedarf in der Elfenbeinküste?

Wie wird sichergestellt, dass die Kakaoproduktion nicht durch Kinderarbeit geschieht?

Wie will der Mars-Konzern den Einkauf in Zukunft gestalten?

 

Neben dieser Anfrage an Mars soll außerdem ein Vertreter von Mars zu einer Ausschusssitzung geladen werden, um Fragen bezüglich der Einkaufspolitik zu beantworten.

 

 

 

 

Begründung:

 

Die Stadt Verden kann sich darüber freuen, wenn es gute Steuerzahler in Verden gibt. Grundsätzlich hat sich die Stadt auch nicht in die Firmenpolitik der Unternehmen einzumischen. Wenn allerdings die Bedingungen, unter denen die Gewinne erzielt werden, die zu Steuereinnahmen führen, auf menschenunwürdigen und menschenrechtswidrigen Produktionsbedingungen beruht wie etwa bei Kinderarbeit in Afrika, so ist eine Grenze überschritten. Wo der Verdacht besteht, dass die Menschenrechte mißachtet werden, sollte die Stadt Verantwortung  übernehmen und in einen Dialog mit dem Unternehmen treten, das offenbar mit seiner Geschäftspolitik billigend in Kauf nimmt, dass die Menschenwürde von Kindern in der Elfenbeinküste mißachtet wird. Konzerne sind sehr auf ihren Ruf bedacht und an solchen Stellen empfänglich.

 

Für die Stadt Verden kann es kein wünschenswerter Zustand sein, wenn die Gelder, mit denen in Verden u.a. die Kitas bezahlt werden durch die Mißachtung der Menschenwürde von Kindern in der Elfenbeinküste erwirtschaftet würden. Daher ist in einem transparenten und offenen Dialog mit dem Unternehmen zu klären, ob das Problem besteht und gegebenenfalls daraufhin zu wirken, dass sich die Geschäftspraxis ändert.

 

Ich bitte um die Behandlung des Antrages im Ausschuss für Stadtentwicklung.

 

Mit freundlichen Grüßen, Ulrich Steinmeyer

 

Anschließende Diskussion im Stadtrat:

 

Entgegen dem sonst üblichen Verfahren, einen Antrag in den zuständigen Fachausschuß zu überweisen und dort zu besprechen bzw. im Fall von Anträgen der Linken dort abzulehnen, wurde dieser Antrag nicht einmal zur Beratung zugelassen. Das gab es seit Jahren nicht.

 

Angeblich hat die Stadt mit der Firmenpolitik von Mars nichts zu tun und daher sei dies keine Angelegenheit für den Stadtrat. Argumente, dass Mars als größter Gewerbesteuerzahler in Verden wesentlich zur Finanzierung der guten Infrastruktur im Kitabereich beteiligt ist und dadurch praktisch die Kinderarbeit im Kakaobereich unsere Kitas finanziert fanden keine Unterstützung. Trotz heftiger Diskussion war auch in der Presse in den Folgetagen nichts zu lesen.

Das Beispiel macht deutlich, wie fest der herrschende Block sich schließt, sobald relevante lokale Kapitalinteressen in Frage gestellt werden.