Stadtentwicklung in Verden - Wem gehört die Stadt?

Kurzvortrag Stadtentwicklung am Beispiel Verdens

In den letzten 15 Jahren hat sich viel verändert in Verden.

Was waren die größten Veränderungen?

-          Kauf der Holzmarktkaserne und Umnutzung ab 1990

-          Weggang der Briten und Umnutzung der Kaserne Lindhooper Straße

-          Umnutzung der Brunnenwegkasernen

Was ist am Holzmarkt passiert?

-          Die Stadt kaufte das Gelände mit 40.000m² für 4mill DM.

-          Ein großes Gebäude wurde frühzeitig an eine großen Verdener Immobilienbesitzer zur Umnutzung als Mietswohnungen verkauft.

-          Eine Freifläche wurde zur gemischten Bebauung verkauft. (Zollstr.2)

Der Rest ging 1995 an den Großinvestor Graubner. (ca. 30.000m²), der dafür eine DM zahlte. Er durfte dafür die Reithalle abreißen und ein großes kommerzielles Gebäude dort bauen. Heute Edeka. Außerdem sollte er die meisten denkmalgeschützten Gebäude für Behördennutzung umbauen und eine Stadthalle errichten. Für die Stadthalle wurde ein jährlicher Zuschuss der Stadt von 230.000DM (heute 135.000€) festgelegt, wofür diese die Vereinsräume über der ehemaligen Touristinfo nutzen darf (ca. 200m²) und an 24 Tagen im Jahr die Stadthalle ohne Kaltmietkosten nutzen darf. Für die ehemalige Touristinfo zahlt die Stadt eine Miete von ca. 14€/m². Durch diese überhöhte Miete sind praktisch die Vereinsräume mitfinanziert.

Die neuen Nutzungen waren: - Stadtbibliothek, - Pferdemuseum. Beides sind städtische bzw. kommunale Einrichtungen. Die AOK zog in den Schinkelschülerbau, den ursprünglich das Ökozentrum haben wollte. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mitglied im Vorstand der AOK war der Bürgermeister Herr Krippendorf.

Was fand also am Holzmarkt statt?

- Es zogen praktisch nur staatliche oder halbstaatliche Institutionen innerhalb von Verden um. Neu war der Kommerzbereich, für den die Reithalle weichen musste. Für den Erhalt der Reithalle und die Umnutzung zu einem Soziokulturellem Zentrum hatten sich viele Verdener Vereine und Kulturschaffende stark gemacht.

- Statt dessen wurde eine neue teure und repräsentative Stadthalle gebaut. Die Konzeption fand durch das Architekturbüro Tolle statt und wurde ohne große Einbeziehung der Kulturschaffenden in Verden erstellt. Das erweist sich jetzt als fataler Fehler, da die Stadthalle nicht passend für einen flexiblen Kulturbetrieb konzipiert wurde, sondern den repräsentativen Ansprüchen der Stadtoberen genügen sollte, ohne dass diese die damit verbundenen laufenden Kosten bedacht hatten.

- Die schlechte Flexibilität sei hier mit den Stichworten –Lichtanlage, - Stühle rücken und mangelnde Unterteilbarkeit, kurz benannt.

- Dazu kommt noch der mangelhafte Bezug der Konzeptteile a) Großer Veranstaltungsraum, Gastronomie und Vereinsräume hinzu. Alle Bereiche haben separate Eingänge und keinen Bezug zueinander. In jedem von der LAGS unterstütztem Kulturzentrum ist die Schaffung von „kulturellen Räumen“, von offenen Räumen der Begegnung und einem klaren Bezug der Konzeptbereiche aufeinander, eine Voraussetzung für die Förderung. Die Lags hat mit dem Betreiben von Kulturzentren umfangreiche Erfahrungen und ist sehr auf eine gute kulturelle Orientierung bei möglichst geringen laufenden Kosten orientiert.

- Beim ersten Anlauf des AKU zur Umnutzung der Reithalle zu einem soziokulturellen Zentrum Anfang der 90-er wurden diese konzeptionellen Bestandteile berücksichtigt.

- Bei der Planung der Stadthalle wurden hier entscheidende Fehler gemacht. Es gab kein Konzept für den Betrieb der Stadthalle in einer Kleinstadt wie Verden. Die Stadthalle erscheint im Rückblick eher wie ein Verhinderungsinstrument der CDU/FDP gegen ein soziokulturelles Zentrum, ohne das dabei tatsächlich ein funktionstüchtiges Konzept realisiert wurde, oder sich auch nur irgendwer grundsätzliche Gedanken dazu gemacht hätte. Das Vertrauen auf einen kommerziellen Betreiber und die Marktkräfte war so grundsätzlich, das ein nachdenken darüber wohl nicht notwendig erschien.

- Auch heute noch wird bei etwas geänderten Rahmenbedingungen selbst von den Grünen die Hoffnung aufrechterhalten, ein Betreiber wird es schon richten. Das keine Stadthalle bundesweit ohne laufende Zuschüsse auskommt und die Verdener Stadthalle weder von der Größe Verdens noch von der Gestaltung noch vom kulturellen Ambiente besonders attraktiv erscheint wird dabei einfach übersehen.

- Es ist gut möglich, dass es Betreiber gibt, die die Stadthalle mit einem einigermaßen passablen Programm rentabel betreiben können. Aber was sollte so einen Betreiber und Kulturmanager ausgerechnet nach Veden ziehen. Wer so was kann, kommt entweder aus einem soziokulturellem Milieu und ist an viel Geld nicht interessiert, aber was sucht so ein Mensch ausgerechnet in Verden? Oder er/sie ist eine gute Managerin, aber warum sollte so jemand ausgerechnet nach Verden kommen, wo es nicht viel zu verdienen gibt?

- Neben dem Kulturbereich wurden noch weitere Einrichtungen am Holzmarkt etabliert.

- Allerdings: Der Einkaufsmarkt hat schon mehrmals den Besitzer gewechselt, offensichtlich wurde der Standort überschätzt.

- Insgesamt wurde eine pompöse Planung hingelegt, für dessen Finanzierung die kommunalen und halbstaatlichen Institutionen, über die die Stadtoberen bestimmen konnten, bzw. auf die sie maßgeblichen Einfluß hatten, in Zwangshaft genommen wurden und der Verdacht besteht, dass völlig überteuerte Mieten bzw. Kaufpreise (AOK) gezahlt wurden. Alles zum Nutzen eines großen Planungsbüros und eines Großinvestors, dessen GmbH (eine von vielen die er besitzt) zwar mittlerweile pleite ist, der aber vermutlich nicht schlecht davon gelebt hat.

- Die Folgekosten für die Stadthalle sind noch gar nicht absehbar. Absehbar geworden ist aber, dass sich der Betrieb nicht rentabel unter den jetzigen Bedingungen organisieren lässt. Es ist schon der vierte Betreiber pleite gegangen und ein Kulturverein hat die Halle mit Bürgschaft durch die Stadt dem Insolvenzverwalter abgekauft. Eigentlich müsste die Stadthalle aufwendig umgebaut werden und wird auch danach dauerhaft auf einen Zuschuss durch die Stadt angewiesen sein, wenn man dort einen Kulturbetrieb haben möchte.

- Selbst unter diesen Bedingungen noch verweigert sich die CDU, die für die ganzen Vorgänge die Verantwortung trägt, einem Kulturbetrieb, in dem die Vereine und Kulturschaffenden in Verden Mitsprachemöglichkeiten haben. Ein Investor soll es richten und der soll ohne Zuschuss auskommen. Wie das gehen soll, bleibt ein Rätsel.

- Insgesamt ein desaströses Ergebnis!!

 

Wie weiter mit der Stadthalle?