Moblilität und Lebensqualität

Leserbrief von U. Steinmeyer

Ein Beitrag zur Diskussion um den Nordertor-Kreisel und eine dritte Allerquerung

Fossile Treibstoffe werden in den nächsten Jahren deutlich knapper werden. Wer sich da nicht von fossilen Ideen und ideologischen Grabenkämpfen von vor 20 Jahren verabschiedet, wird wenig Gutes beitragen für Verden, für mehr Lebensqualität und  Mobilität für alle.

Die Verkehrspolitik steht in den nächsten Jahrzehnten vor großen Herausforderungen. Der Höchststand der Ölförderung ist erreicht oder schon überschritten. Nur durch die Wirtschaftskrise sind die Preise kurzfristig gefallen. Da aber der Verkehrssektor und die chemische Industrie zu wesentlichen Teilen auf Erdöl basieren, wird es in den nächsten Jahren zu massiven Engpässen kommen, erst recht, wenn Indien und China so weiterwachsen wie bisher. In 5 Jahren werden die Benzinpreise massiv gestiegen sein (auch ohne Ökosteuer) und in 15-20 Jahren werden kaum noch 40 Millionen KFZ in Deutschland mit Verbrennungsmotor auf den Straßen fahren. Auch ist das unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes nicht wünschenswert und wir dürfen dann gespannt sein, wo auf der Welt überall deutsche Interessen „verteidigt“ werden. Gleichzeitig geht etwa der Kommunalverband (Zusammenschluss der Kommunen rund um Bremen) davon aus, dass in Verden die Einzelhandelsverkaufsflächen in Zukunft nicht steigen, sondern eher sinken werden. Auf dem Hintergrund ist eine Verkehrspolitik, die auf mehr Straßen und Parkplätze abzielt, nicht zeitgemäß. Wer soll denn da noch alles kommen und kaufen? Neben denen, die es jetzt schon nicht können, wird es für immer mehr Menschen in den nächsten Jahren schwierig, sich ein Auto im bisherigen Umfang zu leisten. Um auch in Zukunft für alle Menschen eine ausreichende Mobilität gewährleisten zu können und unsere Städte als lebenswerte Orte zu erhalten, ist die Suche nach sinnvollen Alternativen angesagt. Neben dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und verbilligte Fahrpreise für arme Menschen (Sozialticket), gehört dazu der gezielte Ausbau des Fahrradwegesystems und die Förderung von alternativen kostengünstigen Fortbewegungsmitteln wie 1-2 sitzigen Elektroleichtmobilen (mit einem Verbrauch von umgerechnet 0,5Liter Benzin), Elektrorollern und Padelecs. Neben den bereits umgesetzten und geplanten Maßnahmen wie dem Ausbau des Nordertor- Kreisel werden in Zukunft andere Maßnahmen in der Verkehrspolitik im Vordergrund stehen müssen. Eine gute Maßnahme ist der neben der neuen Eisenbahnbrücke geplante Fuß- und Fahrradweg, der auch für Leichtmobile nutzbar sein soll. Viele andere Maßnahmen, wie die Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen oder etwa eine dritte Allerquerung kosten ein Haufen Geld (allein ca. 7000€ je Parkplatz) und werden in Zukunft wenig nutzen. Im Dezember hatte ich daher einen Antrag für eine zukunftsweisende Verkehrspolitik in Verden in den Stadtrat eingebracht, von dem ich hoffe, dass er von einer Mehrheit unterstützt wird.

Ulrich Steinmeyer

Die Linke, Stadtratsmitglied