Stellungnahme zur Planung der Stadtwerke, sich an einem Kohlekraftwerk zu beteiligen

Rede von U. Steinmeyer im Stadtrat Verden

Vorbemerkung:

- Gut, dass es die Stadtwerke als lokalen Energieanbieter gibt, das macht unabhängiger von den Großkonzernen und deren Politik der Gewinnoptimierung. Dadurch lassen sich besser ökologische und soziale Ziele erreichen.

- Grundsätzlich auch gut, dass die Stadtwerke durch Beteiligung an einem Kraftwerk langfristig die Stromversorgung in eigenen Händen sichern wollen. Das unterstützen wir ausdrücklich.

Zur Planung der Beteiligung an einem Kohlekraftwerk:

Das lehnen wir grundsätzlich und nachhaltig ab, weil:

- Falsche Technologie, beinhaltet massive Energieverschwendung von über 50% und trägt zur Klimaverschlechterung bei durch hohen CO2  Ausstoß. Eine Technologie, die eine Festlegung für die nächsten 30-40 Jahre bedeutet. Eine „Dinosauriertechnologie“

- Zweifel an de Wirtschaftlichkeit. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des Bremer Senats bei dem die zu erwartenden sich verteuernden CO2 –Zertifikate eingerechnet wurden, kam zu dem Ergebnis, das ein Erdgaskraftwerk günstiger sei.

- Der Weg der Großtechnologie ist der falsche Entwicklungspfad. Während Großkraftwerke eine Energieausnutzung von 30-45% haben, erreichen Blockheizkraftwerke eine Effizienz von etwa 90%. Dahin muß die Entwicklung gehen.

- Die entscheidende Frage dieses Jahrhunderts wird die des Klimawandels und der sich verknappenden Rohstoffe sein. Die Rohstoffe werden sich massiv verteuern und die entscheidende Frage wird sein, wie sich der Anteil der regenerativen Energien deutlich vergrößern läßt und wie wir mit viel weniger Energie auskommen können. Das wird zu massiven gesellschaftlichen Verwerfungen führen.  Ob  diese Verwerfungen in einer solidarischen Art und Weise gestaltet werden können oder ob es nach dem Prinzip „Vorfahrt für die Stärkeren“ geht ist noch nicht ausgemacht. Die gegenwärtige Politik der großen Energieversorger und der Bundesregierung lassen mich nichts gutes erwarten.

- Insofern würde ich eine vorausschauende Energiepolitik auf kommunaler Ebene sehr begrüßen. Die Stadtwerke haben da in vieler Hinsicht bereits positive Schritte getan, wobei ich das Holzschnitzerheizkraftwerk hinterm Landkreis erwähnen möchte.

Wie könnte nun eine solche Energiepolitik aussehen?

- Vor allem im Ausbau regenerativer Energieerzeugung und im massiven Ausbau von Blockheizkraftwerken. Das Problem bei den BHKWs besteht darin, wer die Wärme abnimmt, die neben der Stromerzeugung anfällt. Das ist vor allem durch dezentrale Nutzungen zu lösen.

- In der Gemeinschaftssiedlung Neumühlen haben wir für die Wärmeerzeugung unserer 12 Häuser eine rapsölgetriebenen BHKW, welches unsere komplette Wärmeversorgung sicherstellt und deutlich mehr Strom produziert, als wir verbrauchen. Die Investitionskosten waren nicht höher, als wenn jedes Haus eine eigene Wärmeversorgung mit Gas realisiert hätte und die laufenden Kosten auch nicht.

- Auch das Stadtkirchenzentrum verfügt über ein erdgasbetriebenes BHKW.

- Wenn etwa die Hälfte der Wärmeversorgung auf BHKWs umgestellt werden, wird vermutlich ein deutlicher Überschuß an Strom erzeugt. Da es sich um kleinteilige Lösungen handelt, wäre hier eine breite Bevölkerungsbeteiligung notwendig. Und die Beteiligung von Unternehmen und Wohnbaugesellschaften wie der Kreisbau. Zur Zeit saniert diese große Teile ihres Bestandes. Ich vermute, dass dabei häufig die Heizungen ausgetauscht werden, aber vermutlich nicht durch BHKWs. Bei den Blocks der Kreisbau wäre das aber ein relativ einfaches Unterfangen. Hier sollte die Politik quer denken. Die Kreisbau befindet sich auch in kommunaler Hand und es sollte schnellstens nach neuen Konzepten gesucht werden, wie sich so was gestalten ließe. Weitere Ansatzpunkte wären die öffentlichen Gebäude, Neubaugebiete, die gleich mit Nahwärmenetzen geplant werden und eine Unterstützung von Unternehmen und Privaten durch Beratung und Service oder Komplettpaketen, wenn diese auf BHKWs umstellen wollen. Durch all diese Maßnahmen ließe sich vermutlich ein Großkraftwerk überflüssig machen.

- Vielleicht wäre es sinnvoll, die Konzepterarbeitung für eine neue Energiepolitik auf breite Beine zu stellen und ähnlich wie beim REK auf Kreisebene eine „Energiepolitisches Entwicklungskonzept“ mit breiter Bevölkerungsbeteiligung auf städtischer Ebene zu starten. Das würde vielleicht einen großen zukunftsweisenden Schritt nach vorne bedeuten.

- Möglich ist da mit heutiger Technik sehr viel, ohne das es sehr teuer wird. Persönlich komme ich mit meiner 5-köpfigen Familie mit etwa 1000 Liter Rapsöl aus für:

komplette Wärmeversorgung für unser Haus,  Stromerzeugung  und den Energiebedarf unseres Autos.

Das ist in etwa der Verbrauch, den vermutlich viele für ihren Zweitwagen haben.

In diese Richtung sollte die Reise gehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.