„Steuer sparen leicht gemacht“

Über die Aggressivität Schweizer Banken und die Duldung deutscher Behörden

Leserbrief:

Als Geschäftsführer eines Baustoffhandels habe ich das zweifelhafte Vergnügen, im Durchschnitt etwa alle 2 Wochen zumeist von einer freundlichen Dame angerufen zu werden. Es wird immer nach dem Geschäftsführer gefragt und die Anruferin ist nie bereit, den Kollegen mitzuteilen, was sie möchte. Wenn ich dann mit ihr spreche, werde ich gefragt, ob ich nicht  an einem Schweizer Bankkonto Interesse hätte. Jahrelang habe ich sehr bestimmt abgelehnt, was der Nachhaltigkeit der Anrufe keinen Abbruch tat. Aus Interesse, zu sehen, wie so etwas abläuft, habe ich dann im Jahre 2001 dem Besuch eines Vertreters zugestimmt. Kurz darauf besuchte mich ein gut gekleideter Herr mit Aktenkoffer und legte mir die Vorteile eines Schweizer Bankkontos dar. Auf meine sehr direkte Frage, ob das nicht so ein klein bisschen Illegal sei, dort Gelder an der Steuer vorbei anzulegen, antwortete er sehr vertrauenserweckend, dass es den Staat nichts angehe, was man mit seinem Geld mache. Die Zinsen eines Schweizer Bankkontos seien nicht sehr hoch, dafür läge das Geld dort sicher und wenn man etwas vererben oder anderweitig nutzen wolle, könne man frei darüber verfügen. So weit so gut, aber wie bekomme ich das Geld denn in die Schweiz? So einfach überweisen, ginge ja nun nicht, bemerkte ich. Das sei kein Problem, entgegnete er. Ich könne ja einmal im Jahr Urlaub in der Schweiz machen, die Schweizer Alpen wären ein herrlicher Urlaubsort. Da könne ich dann das Geld mitnehmen und in der Schweiz einzahlen. Da es nicht erlaubt ist, größere Geldmengen in die Schweiz einzuführen, sei das zwar nicht legal, aber die Gefahr, damit erwischt zu werden, sei verschwindend gering. Die Information deckt sich mit Informationen eines befreundeten Beamten einer deutschen Steuerbehörde, der meinte, dass die Steuerfahndung von oben aus der Politik die klare Vorgabe bekam, solches Verhalten möglichst wenig zu ahnden.

Ich bedankte mich für das Gespräch und verabschiedete mich von ihm. Er guckte beim Herausgehen etwas irritiert, da bei uns im Haus zu der Zeit die Bundeszentrale von Attac untergebracht war, die massiv gegen Steuerhinterziehung mobil macht. In der folgenden Zeit erhielt ich deutlich weniger Anrufe. Ich wunderte mich über die direkte aggressive Art der Werbung, die nicht davor zurückschreckte, zum Gesetzesbruch zu ermutigen und über die etwas archaische Art des Geldtransportes mit dem Koffer. Wenn die Schweizer Banken nun so tun, als ob sie mit den Geldern, die bei ihnen eingezahlt werden, nichts zu tun haben, ist das dreist. Früher habe ich mich gefragt, wie man nur zu einem Schweizer Bankkonto kommt und das da wohl einige kriminelle Energie dazugehört. Inzwischen weiß ich: Ich komme nicht zu einem Schweizer Bankkonto, sondern das kommt zu mir, wenn ich zu dem erfolgsversprechenden Klientel gehöre und dreimal ja sage. Die kriminelle Energie liegt zu großen Teilen bei den Schweizer Banken mit Duldung der deutschen Politik. Der deutsche Staat hätte schon lange Möglichkeiten gehabt, die Steueroase Schweiz trocken zu legen. Die USA haben schon längst ein entsprechendes Steuerabkommen mit der Schweiz. Die EU noch lange nicht. Dass die „Steuer CD“ mit Daten nur eines Schweizer Bankenkonsortiums nun zu massenhaften Selbstanzeigen führt, wundert mich da nicht. Vermutlich ist das nur die Spitze vom Eisberg und nur die zeigen sich selbst an, die bei den entsprechenden Banken ein Konto haben. Man kann davon ausgehen, dass die Schweizer Banken massiv alle Ärzte, Rechtsanwälte, Bauunternehmer, Autohändler,… beworben und viele erfolgreich zum illegalen Steuersparen ermuntert haben.

Ulrich Steinmeyer, Geschäftsführer der BIBER GmbH